Auswanderungswege in die USA

Typische Auswanderungshäfen

Die Auswanderung erfolgte in der Regel über die Häfen Le Havre, Antwerpen, Rotterdam, Bremen und Hamburg.

Die Schiffsreise war ein Abenteuer für sich. Friedrich Kemmler (geb. 11.6.1848 in Wankheim) kam mit dem Auswanderungsschiff „Allemannia“ am 11.1.1869 in New York an (Bild oben).

Von einigen Auswanderern ist bekannt, dass sie die  Schiffsreise nicht überlebt haben:

Die Kinder Anna Maria Grauer (1833), Anna Margarethe Schwarzkopf (1854), Katharina Gutbrod (1862) starben auf der Überfahrt. 1883 starben beim Untergang der „CimbraJohann Georg Digel, sein Bruder Johann Ludwig Digel und Johann Georg Riehle (alle aus Mähringen)

Zielhäfen in den USA

Zielhäfen in den USA waren New York, Philadelphia, Boston  und New Orleans.

Ansiedlungsgebiete in den USA

Mir sind wenige Fälle bekannt, in denen sich die Auswanderer direkt in den großen Städten angesiedelt haben, in denen sie angekommen waren. Dies erfolgte nur, wenn die Auswanderer Handwerksberufe ausübten, die ihnen in den Städten ein gutes Auskommen sichern konnten. Da die meisten der Auswanderer einen bäurerlichen Hintergrund hatten, zogen sie schnell weiter an die jeweiligen Ränder der Zivilisation.

Mir sind mehrere Quellen bekannt, wo die Auswanderer praktisch im Wald ihre erste Unterkunft gebaut haben und dann begonnen haben, das Land zu roden und urbar zu machen.

Betrachtet man die Zielgebiete im Zeitverlauf so ist eindeutig eine starke Verschiebung nach Westen festzustellen. Während  die ersten Auswanderer sich noch hauptsächlich in Pennsylvania niederließen, ging es später schwerpunktmäßig nach Ohio, Indiana, Iowa und Michigan. Die späten Auswanderer ließen sich dann zum Teil im Westen der USA in den Staaten Washington, Oregon und Nebraska nieder. Ursachen dafür waren zum einen der Goldrausch, aber auch der fortschreitende Ausbau der Eisenbahn und damit die Notwendigkeit neue Siedler in die neu erschlossenen Gebiete zu bringen.

Frühe Reiserouten

Von New York ging es meistens per Eisenbahn oder per Schiff den Hudson hinaus bis nach Albany. Von dort ging es weiter über den Erie Kanal bis nach Buffalo am Erie See. Von dort führten mehrere Kanalsysteme in den Süden in das Herz von Ohio z.B. der Ohio-Erie-Kanal von Cleveland bis nach Akron  bzw. New Philadelphia. Der Miami und Erie Kanal von Toledo über Defiance, Dayton bis nach Cincinnati .

Historische Zeichnung eines Kanalboots
Historische Zeichnung eines Kanalboots

Der Transport auf den Kanälen erfolgte mittels kleiner Boote, die entweder von Pferden oder Mulis gezogen wurden.

Von New Orleans ging es den Mississippi hinauf entweder bis  St. Louis  oder  über den Ohio River bis nach Cincinnati.

Den letzten Teil der Reise bewerkstelligten die Auswanderer dann entweder mit der Eisenbahn oder mit dem Planwagen.

Für mich haben diese Leute eine ungeheuerliche Pionierleistung erbracht, solche Strecken zurückzulegen ohne die Sprache zu können geschweige denn sich geographisch auszukennen zumal sie in ihrer Heimat nie über einen Umkreis von 10 – 20 km  hinausgekommen sind. Ich frage mich noch immer, wie sie es geschafft haben, die notwendigen Informationen für  den nächsten Reiseabschnitt zu bekommen.

Gefahren der Reise

Neben den Gefahren der Schiffsreise über den Atlantik lauerten vor allem in den größeren Städten  oder den Sümpfen der neuen Ansiedlungen die Gefahr, sich eine tödliche Krankheit einzufangen. Anna Schettler berichtet in einem ihrer Briefe an ihre Geschwister, wie ihre Familie glücklicherweise eine Cholera-Epidemie in Sandusky City , OH überlebt hat.

Auszug aus einem Brief von Anna Scherz geb. Schettler vom 19.11.1849 an ihre Geschwister

Lieber Bruder und Schwester ich muß euch auch schreiben wie hart es für uns gewesen ist, wo die Cholera über Sandusky gekommen ist. Schauderlich war es anzusehen und noch härter für die es mit ansehen mußten wie man die Toten herumgeschleift hat ja man konnte nicht die Straße auf noch abgehen. Den Geruch und Geschmack der Toten hatte uns bald wieder zurückgewiesen.

Man konnte nicht Gräber und Särge genug machen ja es wahr gewiss bitterlich für die, diese Krankheit hatten den es war ihnen kaum der letzten Atem geblieben so hat man die schon in den Sarg geworfen um es nicht auch erben. Ja sogar haben mit dem Leben begraben.

Doch der liebe Gott hat uns verschont weil wir ausgeharrt haben und sind nicht der Stadt entronnen wie es so viele getan haben und glaubten sie können Gott entronnen, einem jedem hat das Herz geschlagen ein jeder denkte nun besser zu leben den man wusste nicht welcher Schlag der letzte sein wird. Aber nun sind die Menschen so gottlos wie zuvor. Der Bruder Jakob ist so lang als einen Monat mit dem Fieber krank gewesen, nun ist er Gott sei Dank wieder gesund, weiteres weiß ich nicht zu schreiben, denn wir haben noch keine Antwort von den anderen Geschwistern bekommen…

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