Caspar Grauer – Pastor und Möbelhändler

Bild von Kusterdingen 1683 von Andreas Kieser
Bild von Kusterdingen 1683 von Andreas Kieser © Geschichtsverein Härten e.V.

Vor einigen Wochen kontaktierte mich, Jürgen Schrade, ein Forscher aus Nürnberg und fragte an, ob ich etwas über Kaspar Grauer aus Kusterdingen wüsste, der als Pastor nach Amerika gegangen wäre. Obwohl ich alle bekannten Auswanderer von den Härten in meiner Datenbank erfasst habe, habe ich Kaspar Grauer nicht gefunden.

Damit begann eine Suche, die gepflastert war von vielen Rätseln, die wir in Zusammenarbeit mit dem Geschichtsverein Härten e.V und meinem internationalen Netzwerk (Grauer Forscher in USA) nach und nach gelöst haben.

Eltern von Kaspar Grauer

Nach intensiver Suche in den Kusterdinger Kirchenbüchern haben wir den Heiratseintrag von Kaspar Grauer mit Rosa Holzschuh in Kusterdingen am 16.9.1879 gefunden und damit auch seine Eltern, Johann Georg Grauer und Anna Maria Friesch. Seltsamerweise gibt es keinen Familienregistereintrag für das Ehepaar. Wir vermuten, dass Kaspar Grauer, bereits vor seiner Heirat im Auftrag der Basler Mission in den USA war und nur für seine Heirat in Deutschland war. Unmittelbar nach der Heirat tritt das Ehepaar zu ihrer Reise in die USA an. Sie treffen am 18.10.1879 in New York ein und danach verliert sich erstmal ihre Spur.

Aus Kaspar Grauer wird Carl Grauer

Trotz intensivster Suche in allen verfügbaren Quellen (Zeitungen, Stammbäume, Volkszählungen) in den USA findet sich kein Hinweis auf einen Kaspar Grauer. Dies ist umso irritierender als früher in den Todesanzeigen fast immer der Pfarrer angegeben wurde, der die Beerdigung vorgenommen hat. Jürgen Schrade und ich waren ziemlich ratlos, wie das möglich sein kann und haben die wildesten Vermutungen angestellt. Über das Archiv der Basler Mission hat Jürgen Schrade zumindest zwei Bilder von Kaspar Grauer entdeckt. Sie können über folgende Links erreicht werden: https://www.bmarchives.org/items/show/100208503 und https://www.bmarchives.org/items/show/100207471. Jürgen Schrade hat sich an die Basler Mission gewandt, ob diese uns mehr Informationen zu Kaspar Grauer zur Verfügung stellen können – die Antwort steht noch aus –  und ich habe meine Grauer-Forscher in den USA angeschrieben, ob sie vielleicht im Rahmen ihrer Forschung über Kaspar Grauer gestolpert sind. Im ersten Moment mussten alle passen, aber sie machten sich auf die Suche und Dick Kreitner kam mit dem entscheidenden Hinweis zurück. Er hatte im 1880 Census von New Buffalo, in Michigan einen Carl Grauer entdeckt und dann weiter nach Toledo, in Ohio verfolgt. War dieser Carl Grauer der gesuchte Kaspar Grauer? Davon sind wir inzwischen fest überzeugt. Die verfügbaren Informationen passen exakt zusammen. Letzte Zweifel hat dann die Sterbeurkunde seiner Tochter Mildred beseitigt. Dort wird ihre Mutter als Rosa Schrade angegeben. Den Namen den Rosa’s Mutter nach der zweiten Heirat trug.

Aus dem Pastor wird ein Möbelhändler

Im Census von 1900 für Toledo, Ohio wird der Beruf von Carl Grauer als Möbelhändler angegeben. Wann und warum  Carl Grauer zum Möbelhändler wurde, liegt derzeit  noch im Dunkeln.

Die Familie von Kaspar/Carl Grauer

Kaspar/Carl Grauer hat mit seiner Ehefrau sieben Kinder (1 Junge, 6 Mädchen). Drei werden in Michigan geboren, die restlichen vier in Ohio. Er stirbt am 20.6.1912 in Toledo. Kurz davor stirbt seine Tochter Mildred (*1890) am 7.4.1912 an Tuberkulose. Insofern könnte es sein, dass auch er an Tuberkulose gestorben ist. Zwei seiner Kinder Frieda (*1880) und Arthur (*1882) sterben bereits in 1906.

Seine Ehefrau Rosa stirbt am 10.6.1917 und seine Tochter Helen am 7.1.1921.

Von seinen drei Töchtern Alice (*1825), Tillie (*1887) und Bertha (*1893) haben wir bisher keine weitere Spur gefunden.

Begraben wurde Kaspar und seine Familie auf dem Woodlawn Friedhof in Toledo. Die Grabsteine sind auf https://Findagrave.com zu finden:

Kaspar/Carl Grauer

Rosa Holzschu Grauer

Frieda Grauer Groß

Arthur Grauer

Mildred Grauer

Helen Grauer